Montag, 21. November 2011

Japanisches Depressionstheater?


Das erste Festivalwochenende ist um... und gerade die beiden japanischen Produktionen haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen! "Japanisches Depressionstheater" war als Facebook-Kommentar zu lesen, viel Gutes und manch Negatives zu hören - doch eine Erfahrung waren allen gemeinsam: gepackt und gefesselt war man von der fremden Ästhetik, dieser anderen Zeitlichkeit, die die beiden so gegensätzlichen Stücke vereinte, dem Thema des Abschottens und der Sinnsuche.
Man konnte vom Berührtsein und der Bewegtheit der Zuschauer, gerade bei Daisuke Miuras "Castle of Dreams", hören, das mit seinen Darstellern, die so gar nicht mehr Mensch, vielmehr Tier und Maschine waren, bedrückte. Doch wer vorschnell gedacht hatte, dass dieses trashige, in einem Tokioter Appartement spielende Stück mit der Darstellung eines trostlosen Alltags acht junger Erwachsener, die lediglich die Bedürfnisse Sex, Essen und Schlafen stillen, platt provozieren würde, hat sich gettäuscht. Perfekt durchchoreografierte Körper, die sich langsam -jeder in seiner ganz eigenen Qualität- über die vollgemüllte Bühne bewegen, stumm und unfähig zu kommunizieren oder zu reflektieren. Die laut dröhnende Musik und das verzweifelt-lustvolle Gestöhne der Darsteller als einzige Geräusche durchbrechen die Stille, dehnen die Leere. Raum und Zeit scheinen aufgelöst - nur das Sonnenlicht, das durch die dreckigen Scheiben hereinbricht, kündet vom Morgen, das den Kreislauf so schnell nicht enden lassen wird.



Die schweren Lider senken sich auf die bleichen Wangen und trennen sie von der realen Welt. Wie zwei schwarze Schatten im Gesicht, die geschlossenen Augen der halbnackten Japanerin. Die aufreizend schwarz-rote Unterwäsche verrutscht, die künstlich-blonden Locken zerzaust... alles Leben ist aus ihrem matten Körper gewichen, mühsam schleppt sie sich über die Bühne. So könnte man sich auch eine der Motten aus Georg Kaisers "Morgens bis mitternachts" vorstellen.

Von Miriam Althammer

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