Montag, 28. November 2011

DO TANK # 8

„Ein guter Forschungsbericht, schreibt Bruno Latour, zeichnet ein Netzwerk nach. DON’T HOPE berichtet von Gesprächen mit Bewohnern eines Altersheimes, in denen mehr Weisheiten zum Vorschein treten, als man gemeinhin annimmt. Das Stück erzählt in erster Linie von dieser Forschung, ist dabei Entwurf und präsentiert unaufgearbeitete Interviews – was einen erst recht verblüfft, wenn man das weiß. Vielleicht ist es eher eine erste Sammlung von Karteikarten, die im fahlen Licht eines allzu sehr an Schule erinnernden Sitzkreises immer wieder neu vor einem aufgelegt, vorgelesen, neu gemischt und wieder sortiert werden. Die Feldforscher müssen sich erst noch durch den Dschungel ihres Materials kämpfen und suchen tapfer weiter.

Beim SOCIAL FICTIONS Symposium konnte man hingegen eine ganze Reihe von fertigen Forschungsberichten sehen und hören. Ob sie Netzwerke nachzeichnen, lässt sich gar nicht beurteilen, denn die Erzählungen dieser tollen Künstler und Wissenschaftler im Vortragssaal bleiben seltsam entkoppelt von ihren Sozialen Verknüpfungen. Das ist besonders schade für den geneigten Zuhörer, denn gerade das Multimedium Theater wäre besonders geeignet diese Netzwerke nicht nur abstrakt nachzuerzählen – eine Kunst, die niemand in der akademischen Sprache so beherrscht wie Latour selbst – sondern ihre vielfältigen Materialien zu verknüpfen. (Die große Ausnahme sind Wu Wenguang und Rabih Mroué, bezeichnenderweise der erste und letzte Vortrag des Tages, die von nichts anderem Sprechen, als von den Kanten, die sie zu den Hungernden der Kulturrevolution und den Unterdrückten des arabischen Frühlings in Syrien zu knüpfen versuchen.)

Das ist vielleicht die Chance und auch die kollektive Aufgabe unseres DO TANK für die kommende Woche. Wir haben die einmalige Möglichkeit mehr tun zu können, als nur eine abstrakte Beschreibung für eine Leserschaft zu liefern, wir können die Netzwerke nicht nur nachzeichnen, sondern gleichzeitig mit ihrem jeweiligen Sozialen produzieren. Ein guter Feldforscher ist gleichzeitig Teilnehmer und Beobachter. Im DO TANK müssen wir und unsere Teilnehmer/Zuschauer/Zaungäste/Besucher gleichzeitig Anthropologen und Dorf sein. Was also tun? Vielleicht theatralische Ökologie.“

Einverstanden, Gero.

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